Farce Runder Tisch Heimerziehung III: Norbert Struck, Vetreter des Parit. Wohlfahrtsverbandes am RTH widerspricht

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Zur Frage des systematischen Unrechts
„Im Zwischenbericht des Runden Tisches Heimerziehung wurde von einem >System Heimerziehung<
gesprochen, ohne dass dieses System dort abschließend charakterisiert wurde. Festzustellen ist nun,
dass dieses >System Heimerziehung< auch im Lichte des Grundgesetzes ein mangelhaftes und
demokratisch unreifes System war.“
Soweit kann ich dem folgen. Dann jedoch folgt eine kryptische Passage:
„Ein >Unrechtssystem< war es nach Bewertung des Runden Tisches jedoch nicht: Es gründete nicht
auf gesetzlich intendiertem Unrecht, es hatte Unrecht nicht zum Ziel und es zog auch nicht zwingend
Unrecht nach sich. Das erfahrene Unrecht war vermeidbar, war von Menschen gemacht.“
Ich denke, diese Formulierung kann man mit Fug und Recht als misslungen bezeichnen. Jedenfalls
basierten viele der Funktionsmechanismen dieses Systems Heimerziehung auf Unrecht – der ganze
Bericht gibt davon laufend beredt Zeugnis. Schwer einzusehen, warum man das dann nicht als
Unrechtssystem bezeichnen soll. Jedenfalls sind die beiden „Argumente“, die hierfür ins Feld geführt
werden, so schwach, dass sie diese Bewertung nicht stützen können. Wenn das Kriterium eines
Unrechtssystems ein „gesetzlich intendiertes Unrecht“ wäre, dann gäbe es per se keine
Unrechtssysteme. Selbst die fürchterlichsten Diktaturen verzichten nicht auf den Schein einer
Rechtmäßigkeit ihres Terrors. Sie investieren sehr, um den Schein von Recht zu wahren. Auch gibt es
kaum Systeme, die „Unrecht zum Ziel“ haben. Immer behaupten sie, das Recht sei auf ihrer Seite,
wenn sie Unrecht exekutieren. Insofern können Selbstdeklaration oder Intention nicht die Kriterien
sein, an denen sich der Unrechtscharakter eines Systems erweist. Die auf S. 48ff dargestellten
„beispielhaften Regel- und Rechtsverstöße in der Heimerziehung“ legen jedenfalls materiell eine
Qualifizierung als Unrechtssystem nahe.
Selbstverständlich sind alle sozialen Tatsachen „von Menschen gemacht“ – und insofern - vielleicht -
in historischer Perspektive veränderbar. Aber das Unrecht, das den ehemaligen Heimkindern
widerfahren ist, hatte jedenfalls weit eher Systemcharakter als dass es eine Summe individueller
Fehlverhalten gewesen wäre, was diese Formulierung suggeriert – der ganze Bericht erzählt davon!
Dass, was für alle gilt, deshalb noch lange nicht für jeden gelten muss – diese Grundeinsicht
dialektischen Denkens erfasst m.E. am ehesten das Verhältnis von System und Ausnahme. Einzelne
Berichte „von positiven, angemessenen und hilfereichen Erfahrungen in der Heimerziehung“ (Z.
2116), die sich ja oft auch auf Etappen innerhalb einer Heimkarriere beziehen, also von Menschen
mit fürchterlichen Erfahrungen im System Heimerziehung als Kontrapunkt geschildert werden,
widerlegen nicht das System, sondern beschreiben mögliche Menschlichkeit, die sich im Widerstand
gegen das System realisierte.
http://www.ehemalige-heimkinder-am-runden-tisch.de/files/norbert_struck_9122010.pdf

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